Wie das Wort “Alternativmedizin” bereits vermuten lässt, handelt es sich hierbei um eine Alternative, sprich andere Möglichkeiten bzw. Ergänzungen von bereits bekannten Heilungsmethoden. Dem gegenüber steht die Schulmedizin, die auf althergebrachte Methoden zurückgreift und die man als Medizinstudent auch heute noch in seinem Studium vermittelt bekommt und die allgemein gebräuchlich ist.
Ursprung
Alternative Heilmethoden entstehen und entstanden durch das Anwenden nicht üblicher oder unbekannter Methoden auf eine erkrankte Person mit positivem Heilungsergebnis oder Verbesserung des Krankheitsbildes.
Die Traditionelle Chinesische Medizin, kurz TCM, die in Asien bereits seit über 2.000 Jahren angewandt wird, gehört heute auch zu den bei uns am weitesten verbreiteten alternativmedizinischen Anwendungsbereichen. Genau genommen hat die Alternativmedizin zwar eine recht lange, jedoch mit vielen Vorurteilen und Vorbehalten konfrontierte und wenig anerkannte Geschichte.
Auch in der griechisch-römischen Antike und bis weit hinein ins Mittelalter berief man sich vornehmlich auf diese natürliche bzw. sanfte Medizin und vertraute vor allem auf die Heilmittel der Natur. Auch der Glaube an eine höhere Macht bzw. an Götter, das Herbeirufen spezieller Geister und ähnliche Riten können einen Placebo-Effekt herbeirufen und somit ebenso als alternative Heilmethoden bezeichnet werden. Nur war das Bewusstsein damals ein anders als heute. Und man hätte diese Riten niemals als “Medizin” bezeichnet.
Neuzeit

Heilmethoden wie zum Beispiel Homöopathie haben sich in den letzten Jahren etabliert – Foto: © Sonja Birkelbach – Fotolia.com
Somit handelt es sich bei der uns heute anerkannten Alternativen Medizin um eine recht moderne Entwicklung, die erst vor etwa 30 Jahren als eigenständige Richtung verstanden wurde (sog. “Alternativbewegung”), obwohl sie bereits seit dem ausgehenden 18. Jh., in Folge der Aufklärung und der europäischen Reformbestrebungen innerhalb aller Bereiche der Gesellschaft, neben der Schulmedizin hergelaufen ist.
Immer dann, wenn die Schulmedizin an ihre Grenzen stößt bzw. in Frage gestellt wird, taucht der Begriff der Alternativmedizin auf. Gründe hierfür sind verschieden und können beispielsweise aus der Motivation jedes Einzelnen heraus entspringen. So etwa aus der Abneigung gegenüber Ärzten und medikamentösen Therapien, aus der Verbundenheit zur Natur, aus religiösen Gründen oder gar aus einer chronischen und somit lang andauernden Erkrankung heraus. Auch steht der psychologische Effekt stärker im Fokus, was bei der Schulmedizin gänzlich außen vor gelassen wird. Dennoch wurde die Alternativmedizin bei einem Großteil der Bevölkerung weiterhin als Quacksalberei und Pseudowissenschaft abgetan.
Den Kritikern zum Trotz sollten bereits in den 1920er Jahren die ersten Lehrstühle für Naturheilkunde eingeführt werden. Wenige Jahre später, im nationalsozialistischen Deutschland propagandierte man sogar volks- und naturheilkundliche Verfahren. Jedoch waren lediglich etwa 25% von diesem Vorgehen überzeugt. Mittlerweile hat sich dieses Bild fast umgekehrt und nur noch 30% vertrauen lediglich auf ihren Arzt.
Aktuell
Heilmethoden wie die Homöopathie, die Akupunktur oder die Chirotherapie haben sich dabei in den letzten Jahren stärker etabliert als andere (z.B. Edelsteintherapie oder Farbtherapie). Auch Meditationstechniken, die Verabreichung von Vitaminen und Techniken der Entspannung haben sich bewährt und sind bereits wissenschaftlich erprobt.
1993 gelang den Verfechtern der Alternativmedizin ein entscheidender Schritt. So urteilte der Bundesgerichtshof, dass alleinig der Patient darüber entscheiden darf, ob er sich Schulmedizinisch oder mittels alternativer Heilmethoden versorgen lassen möchte, wenn dies finanziell keine höheren Kosten verursacht.
Dass diese sog. Komplementärmedizin im Vormarsch ist, erkennt man auch daran, dass man sich mittlerweile an einigen Universitäten Projekte hinsichtlich der Wirksamkeit alternativer Methoden widmet. Besonderes Augenmerk legt man hier jedoch auf unheilbare Krankheiten, bei denen die Schulmedizin nicht mehr weiter weiß, wie etwa Krebs. Man ist heute sogar schon so weit, dass man als studierter Mediziner Zusatzbezeichnungen für alternative Heilmethoden tragen darf. Zukünftig scheint es also, als würden Schul- und Komplementärmedizin immer weiter verschmelzen.